Inspirationen

Warum wollt ihr den Yoga?

(aus „Die Mutter: Lehrgespräche und Worte der Liebe 1929-38“)

Warum wollt ihr den Yoga? Um Macht zu gewinnen? Um Ruhe und Frieden zu finden? Um der Menschheit zu dienen?
Keiner dieser Gründe beweist ausreichend, dass ihr für den Pfad bereit seid. Auf folgende Frage müsst ihr Antwort geben:
Wollt ihr den Yoga aus Liebe zum Göttlichen? Ist das Göttliche das höchste Ziel eures Lebens, so sehr, dass es euch ganz unmögliche wäre, ohne es zu leben? Fühlt ihr, dass der eigentliche Zweck eures Daseins das Göttliche ist, ohne das es stumpf und sinnlos wäre?
Dann, und nur dann lässt sich sagen, dass ihr für den Pfad bereit seid.

Dies ist die erste Stufe: Sehnsucht nach dem Göttlichen.
Die nächste Stufe besteht darin, diese Sehnsucht zu vertiefen, sie immer wach zu halten, sie lebendig und stark zu machen. Dahin führt euch einzig Konzentration – sich auf das Göttliche ausrichten, sich unbedingt und ganzheitlich seinem Willen und seiner Absicht weihen.
Sammelt euch im Herzen. Dringt so weit und so tief ein wie möglich. Zieht alle Fäden eures schweifenden Bewusstseins ein, haltet sie zusammen und taucht in das Schweigen eures Inneren Wesens.
Eine Flamme brennt in der ruhigen Tiefe eures Herzens; dies ist das Göttliche in euch – euer wahres Wesen. Hört auf seine Stimme, folgt seinen Eingebungen.
Es gibt noch andere Zentren der Sammlung, z.B. eines über dem Kopf und eines zwischen den Augenbrauen. Jedes hat seine eigene Wirksamkeit und bringt seine besonderen Ergebnisse. Das zentrale Wesen aber wohnt im Herzen, und aus dem Herzen erwächst jede dynamische Regung, aller Umwandlungswille, alle Kraft der Verwirklichung.

Wie kann man sich auf den Yoga vorbereiten?
Bewusst sein vor allem. Wir sind uns bloß eines geringen Teils unseres Seins bewusst, im übrigen sind wir noch unbewusst. Diese Unbewusstheit ist es, was uns an die niedere Natur gebunden hält und darin jede Veränderung und alle Umwandlung verhindert. Dieser Unbewusstheit bedienen sich die widergöttlichen Kräfte, um in uns einzudringen und uns zu versklaven.
Ihr müsst euch eurer selbst bewusst werden, eurer Natur und eurer Regungen. Ihr müsst wissen, wie und warum ihr etwas tut, fühlt oder denkt. Ihr müsst eure Beweggründe und Antriebe verstehen, die verborgenen und die in Erscheinung tretenden Kräfte, die euch handeln lassen. Ihr müsst gewissermaßen den Mechanismus eures Seins in kleine Teile zerlegen. Erst wenn ihr bewusst seid, könnt ihr beurteilen und auswählen, könnt ihr wahrnehmen, welche Kräfte euch herunterziehen und welche euch weiterbringen…

(Aus „Die Mutter: Lehrgespräche und Worte der Liebe 1929-38“)