Kapotasana – die„Blüte der Hingabe“in der (Königs-)Taube
(Autor: Fabian Scharsach)
Das Sinnbild der Übung
Kapotasana, die Taube, ist ein Sinnbild der Weihung und Selbstüberantwortung – und damit der Erhöhung und Umwandlung unseres Menschseins. In der sublimen Schönheit dieser Asana drückt sich eine seelische Weite aus, die den Menschen über die Ziele des gewöhnlichen Lebens hinaushebt; eine schöpferische Vorwärtsbewegung, die ihm eine wahre Freiheit von Geist und Gefühl erschließt. In Raja Kapotasana, der „Königstaube“, vollendet sich diese Freiheit im Zustand der Hingabe und Selbstvergessenheit.
Zitate zu Kapotasana
- Swami Satyananda Saraswati (Asana, Pranayama, Mudra, Bandha):
„Diese Haltung aktiviert das Anahata- und Vishuddha-Chakra und unterstützt tiefe emotionale Öffnung und spirituelles Wachstum.“
Swami Satyananda Saraswati, Bihar School of Yoga, Yoga Publications Trust (2008)
- André Van Lysebeth (Yoga Self-Taught):
„Kapotasana ist eine der intensivsten Rückbeugen, die das gesamte Rückenmark dehnt und eine tiefe Reinigung der Emotionen bewirken kann.“
André Van Lysebeth, Yoga Self-Taught, Harper & Row (1974)
Die Wirkungen von Kapotasana – der Taube
Körperliche Wirkungen
- Intensive Rückbeuge:Kapotasana dehnt die gesamte Vorderseite des Körpers, einschließlich Brust, Bauch, Hüften und Oberschenkel.
- Stärkung der Wirbelsäule:Diese Haltung aktiviert und kräftigt die Rückenmuskulatur und verbessert die Flexibilität der Wirbelsäule.
- Öffnung des Brustkorbs und Verbesserung der Atmung:Die tiefe Dehnung der Brustmuskulatur erweitert die Lungenkapazität und verbessert die Sauerstoffaufnahme.
- Dehnung der Hüftbeuger:Durch das tiefe Zurücklehnen wird insbesondere der Musculus iliopsoas (Hüftbeuger) gedehnt, was zur Verbesserung der Beweglichkeit beiträgt.
- Massage der Bauchorgane:Die Kompression und Dehnung des Bauchbereichs stimuliert die Verdauungsorgane und kann die Verdauung verbessern.
- Verbesserung der Körperhaltung:Regelmäßige Praxis hilft dabei, einen nach vorn gebeugten Rücken (z. B. durch sitzende Tätigkeiten) zu korrigieren.
Energetische Wirkungen
- Aktivierung des Anahata-Chakras (Herzchakra):Kapotasana öffnet das Herzchakra und fördert eine Öffnung der Gefühlswelt.
- Aktivierung des Vishuddha-Chakra (Kehlchakra):Vishuddha ist das Zentrum des mentalen Denkens. Seine Aktivierung vermittelt unserem Denken einen klareren, höheren und umfassenderen Ausdruck.
- Erweckung von Kundalini-Energie:Tiefe Rückbeugen wie Kapotasana aktivieren den Energiefluss entlang der Wirbelsäule und helfen dabei, die Kundalini-Kraft zu erwecken.
- Harmonisierung von Ida und Pingala Nadis:Die Haltung bringt energetisches Gleichgewicht zwischen der Mond- und Sonnenenergie im Körper.
Geistige Wirkungen
- Kapotasana fordert eine kraftvolle Dehnung, die von geistiger und seelischer Hingabe erfüllt ist. Regelmäßige Praxis kann die innere Stärke erhöhen und eine
- Befreiung emotionaler Blockaden bewirken. Diese intensive Rückbeuge sollte daher im Zustand innerer Stabilität praktiziert werden.
- Erhöhung der Konzentration:Das Halten der Asana erfordert geistige Disziplin und eine klare Ausrichtung des Bewusstseins.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für (Raja-) Kapotasana
1. In die Grundposition kommen
- Beginne imVierfüßlerstand.
- Bringe deinrechtes Knie nach vorne, platziere es leicht hinter deinem rechten Handgelenk.
- Dein rechter Unterschenkel kann schräg nach innen oder parallel zur vorderen Mattenkante liegen (je nach Flexibilität).
- Strecke deinlinkes Beingerade nach hinten aus, der Fußrücken liegt auf der Matte.
2. Becken ausrichten und Oberkörper aufrichten
- Achte darauf, dass dein Beckengerade ausgerichtetist – vermeide ein Abkippen zur Seite.
- Stütze dich auf die Fingerspitzen oder hebe den Oberkörper ganz an.
- Atme tief ein, strecke deine Wirbelsäule und ziehe das Brustbein nach oben.
3. Rückenbeuge intensivieren
- Beuge dein hinteres Bein (rechtes Knie) und ziehe die Ferse in Richtung Gesäß.
- Greife mit deiner rechten Hand seitlich nach deinem rechtenFuß oder Knöchel.
- Greife am Fuß nach der rechten großen Zehe und ziehe den rechten Arm nach oben (über den Kopf).
4. Kopf und Brust anheben
- Versuche dich in dieser Position so gut wie möglich zu stabilisieren.
- Dann vertiefe die Rückbeuge wieder und ziehe dieFußsohle näher zum Hinterkopf.
- Lege den Hinterkopf oder Scheitel sanft an die Fußsohle oder an die Ferse.
- Halte die Schultern entspannt, den Nacken lang.
5. Atmen & Halten
- Bleibe in der Position, solange die Konzentration des Geistes – und ein freies, offenes Gefühl im Körper erhalten werden kann.
- Vermeide Schmerzen oder zu starke Kompression im unteren Rücken.
6. Auflösen der Haltung
- Löse langsam die Hände vom Fuß und strecke das hintere Bein zurück.
- Bringe beide Hände auf die Matte und entspanne inBalasana.
- Wiederhole die Übung auf der anderen Seite.